Blog Bewegungsmangel und gesundheitliche Folgen des Sport-Lockdowns

Bewegungsmangel und gesundheitliche Folgen des Sport-Lockdowns

Nachdem wir in den letzten Blogbeiträgen Informationen über "Sport nach überstandener COVID-19-Infektion" und "Sport und COVID-19-Impfung" gegeben haben, möchten wir noch auf ein weiteres wichtiges Thema eingehen, dass viele Sportler im Lockdown sehr zu schaffen macht. Dazu schauen wir uns an, was fehlender Vereinssport, die Schließungen der Fitnessangebote sowie die Einschränkungen des Individual-Sports im Freien, für Folgen nach sich ziehen.

Allgemeine Verschlechterung des Gesundheitszustandes

Nur wer sich regelmäßig bewegt, kann körperlich und geistig fit bleiben. Das gilt für Menschen jeden Alters, insbesondere jedoch für Kinder und Jugendliche, da diese im Wachstum sind und die Bewegungsfreude während der Entwicklungszeit besonders ausgeprägt ist. Die eingeschränkte Bewegung und die fehlenden Sozialkontakte führen dazu, dass Kinder und Jugendliche wesentlich mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen und der Medienkonsum sich signifikant erhöht hat.

Kinder und Jugendliche leiden entwicklungsmäßig betrachtet besonders stark

Eine Studie des Universitätsklinikums Münster zeigen besorgniserregende Ergebnisse. Die Studie stellte heraus, dass ca. 45% der Jugendlichen weit mehr als acht Stunden am Bildschirm saßen. Neben Zeiten für das Homeschooling kamen noch TV, Computer- und Konsolenspiele sowie die Beschäftigung mit dem Smartphone dazu. Vor der Pandemie entsprach das nur 20% der Jugendlichen. Durch die Kontaktbeschränkungen haben sich Kinder kaum noch bewegt. Die Anzahl der Kinder, die sich seit der Pandemie fast gar nicht mehr bewegt hat, ist laut den Studienergebnissen um 25% erhöht und hat sich damit verfünffacht.

Bewegungsmangel hat zahlreiche negative Auswirkungen

Nicht Zuletzt sind auch viele Erwachsene durch die Bedingungen der "Homeoffice"-Situation betroffen. Nicht jeder hat das Privileg über ein eigenes Büro oder einen ergonomisch eingerichteten Arbeitsplatz zu verfügen.Viele befinden sich vor ihrem Laptop auf der Couch, im Wohnzimmer- oder Küchentisch auf normalen Stühlen sitzend, die zunehmend Haltungsschäden fordern.

Die dauerhaften Fehlhaltungen im Rückenbereich können nur durch Sport ausgeglichen werden. Ausreichende Bewegung und gezielte Dehn- Streck- und Lockerungsübungen tragen dazu bei, dass die Muskeln gelockert werden, die Verspannungen sich lösen und Schmerzzustände nicht chronifizieren. Ob es zu dauerhaften Langzeitschäden führt, wird man in Längsschnittstudien in den kommenden Jahren untersuchen.

Jahrelange aufgebaute Kondition geht verloren

Was vielen Sportler sehr zu schaffen macht, ist dass die jahrelange aufgebaute körperliche Kondition in der pandemie bedingten Trainings Abstinenz stark gesunken ist oder ganz verloren gegangen ist. Das Level auf dem "einst trainiert" wurde, muss bei den meisten wieder neu aufgebaut werden. Erst recht, nach einer möglichen Corona-Erkrankung, sollten die Trainingseinheiten dem Körperzustand angepasst werden. Auch dann, wenn unser Geist meint "mehr zu können". Achten Sie auf Ihre Grenzen und körperlichen Ressourcen. Vermeiden Sie Fehlbeanspruchung – Überforderung ist genauso schlimm wie Unterforderung. Die Balance aus Leistungsanforderung und Leistungspotenzial macht am Ende einen guten Trainingserfolg aus.

Wintermonate bieten kaum Alternativen für outdoor-Sport

Ein weiter Grund der aktuell erschwerend dazu kommt ist, ein relativ lang anhaltende Winter, der uns nicht möglich macht, ausreichende Alternativen im "Outdoor-Sport" zu finden. Laufen und Joggen in der Natur, Fahrradfahren aber auch Rollerblade fahren, waren im Sommer 2020 beliebte Alternativen, die einigen bei dem Verzicht auf den geliebten Sport halfen "fit zu bleiben". Nun kommen Frühling und Sommer uns entgegen, weniger dagegen die anhaltenden Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren.

Weiterhin zählt noch: wer durch die Schließungen der Fitnessstudios, Sportvereine und Sportstätten am Sport gehindert ist und dennoch in Bewegung bleiben will, muss noch immer "Eigeninitiative" aufbringen und selbst aktiv werden. Schauen Sie nach Angeboten und Möglichkeiten, um in Bewegung zu kommen.

Trainings Abstinenz zieht auch seelische Folgen nach sich

Da Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden, und im einzelnen nur schwer voneinander betrachtet werden können, wird jedem klar sein, dass die körperlichen Einschränkung eben auch Einwirkungen auf unseren Geist und unsere Seele nehmen. Das wir unseren Lieblingssport nicht ausüben können oder den sozialen Kontakt zum Verein, den Sporttrainern, der Mannschaft oder dem Trainingspartner verlieren, führt demnach zu seelischer Unzufriedenheit. Viele Menschen wurden zunehmend "antriebslos", "schwermütig" und beklagten "Ermüdung" und "Unausgeglichenheit" was dem Bewegungsmangel zuzuschreiben ist.

Depression und Angstzustände nehmen zu

Zahlreiche Studien beweisen, dass Menschen mit geringer körperlicher Bewegung und fehlender muskulärer Fitness ein doppelt so hohes Risiko haben, an Depression zu erkranken. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass bei Menschen vermehrt Angstzustände auftreten, ist um 60% höher. Die fehlende Bewegung hat, vor allem bei Menschen die vorbelastet sind, stärkere negative Auswirkungen. Dem Thema "Bewegungsmangel und Depression" werden wir uns in einem gesonderten Blogbeitrag widmen.

Online-Trainingsangebote sind eine geschätzte Alternative

In der Pandemie Zeit sind einige Sportbegeisterte und ambitionierte Sporttrainer dazu übergegangen, Sportangebote "virtuell anzubieten". So sind einige digitale Angebote und "Online-Kurse" entstanden, damit Menschen eine Möglichkeit haben zumindest "etwas Gutes" für sich zu tun. Zahlreiche "digitale Angebote" wie Sport- und Yogaübungen auf der Matte, der Umgang mit dem Hula-Hoop-Reifen sowie Workouts und Muskeltraining-Einheiten für zu hause sind entstanden.

Sie erfordern jedoch, dass ein gewisses Equipment mit Geräten, Hanteln, Gewichten und anderem Zubehör zu Hause verfügbar sind. Dennoch ist ein gezieltes "Muskeltraining" in einem Fitnessstudio mit betreuten Trainern und einem persönlichen Trainingsplan damit nicht zu ersetzen. Individuelle Korrekturen können dadurch nicht abgedeckt werden - dazu bedarf es selbstverständlich die gezielte Trainingseinheiten mit einem Personaltrainer oder Sportcoach.

Durchhalten bis wir endlich zum Sport zurückkehren können

Die sozialen Aspekte durch den Verzicht im "virtuellen Raum" sind nicht wirklich damit zu ersetzen, aber dennoch können sie erheblich dazu beitragen, dass wir "Aktiv werden" und bestmöglich durch die Zeit des Sport-Lockdowns kommen. Und auch ein Training zu Hause ist "ein Training", wichtig ist: Dranbleiben…Alternativen wahrnehmen… gezielt nach Angeboten suchen… und natürlich "positiv in die Zukunft schauen", denn wir kehren zurück - zu unserem Sport und den Menschen mit denen wir Sport gemeinsam leben!

Bewegungsmangel und gesundheitliche Folgen des Sport-Lockdowns
Ein Beitrag von Sandra Waldermann-Scherhak
(Heilpraktikerin Psych. & Gesundheits-Coach, lfd. Studium Gesundheitspsychologie / Medizinpädagogik, FOM Düsseldorf)
Datum: 09.05.2021
Kategorie: Sport und Corona
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Linktipps

Universitätsklinikum Münster, 2020: "Sport in Zeiten der Kontaktbeschränkungen: Studie zur Bewegung bei Kindern und Jugendlichen"
https://www.ukm.de/
(Aufruf: 06.05.2021)

Sportschau, 2021: Dramatischer Bewegung Einbruch bei Kindern und Jugendlichen
https://www.sportschau.de/breitensport/studie-muenster-bewegungsmangel-kinder-100.html
(Aufruf: 06.05.2021)

Kurkliniken.de, 2019: "Fehlhaltungen im Homeoffice vermeiden"
https://www.kurkliniken.de/blog/fehlhaltungen-im-home-office-vermeiden.html
(Aufruf: 06.05.2021)